Die Elbkarawane – Ein Concerto Grosso mit fünf Dampfschiffpfeifen und Orchester

So wurde aus dem harmonischen Zusammenklingen der Dresdner Sinfoniker und den Dresdner Dampfschiffen eine weltweit einzigartige Dampffonie.

Die Dresdner Sinfoniker sind bekannt dafür, ihr Publikum immer wieder mit ungewöhnlichen Ideen zu überraschen: Während sie im September 2020 auf Hochhäusern im Dresdner Stadtteil Prohlis konzertierten, wurde am 4. September 2021 die Elbe zu ihrer Bühne für ein Konzert am Fluss. In kleinen Gruppen stachen die Musiker*innen mit Booten in Dresden-Pillnitz „in See“. Auf ihrem Weg in die Dresdner Innenstadt trafen sie ihr Publikum an Anlegestellen und Elbstränden und gaben kleine Konzerte. Das Publikum konnte dieser Karawane auf dem Fahrrad oder im eigenen Boot folgen, sie mit Applaus unterstützen und musikalische Entdeckungen machen.

Ein Baggerschiff wurde zur schwimmenden Konzertbühne.

In der Dresdner Altstadt sodann angekommen, nahm ein riesiger, zum Konzertpodium umgebauter Domarin-Arbeitsponton alle Musiker*innen auf. Den Konzertgästen, die sich inzwischen am Königsufer auf der Elbwiese weitläufig verteilt hatten, bot sich nun eine grandiose Szenerie: Hinter dem Orchester auf seiner schwimmenden Bühne, ragte nicht nur die eindrucksvolle Dresdner Altstadt auf. Speziell für den ersten Programmpunkt des Konzerts hatten sich fünf historische Dampfschiffe (Dresden, Meißen, Krippen, Leipzig und Diesbar) der Weißen Flotte Dresden in Position gebracht.

Die Elbkarawane vor der traumhaften Kulisse Dresden.

Das Eröffnungsstück wurde als Uraufführung für diesen speziellen Tag und einer äußerst ungewöhnlichen Besetzung geschrieben. Der Pianist und Komponist Andreas Gundlach setzt in seinem Werk neben Bläsern, Streichern und Schlagwerk die Dampfpfeifen von fünf Passagierdampfern ein. Deren Rolle im Konzertstück ist durchaus solistisch. Sie beginnen „Unterhaltungen“ mit einzelnen Orchesterinstrumenten, fügen sich in Klang-Cluster ein oder markieren mit gezielten Dampfstößen den Rhythmus des ganzen Orchesters. Ihre markanten Pfiffe stiegen sichtbar in den Dresdner Nachthimmel! Die Herausforderung für die Kapitäne an Bord bestand darin, den Anweisungen der Schiffsdirigenten und Dirigentinnen zu folgen, die ihrerseits die Anweisungen vom Hauptdirigenten Premil Petrović empfingen. Eine große Teamleistung, die Kapitän Andreas Weber gelassen mit seiner Erfahrung aus dem Musikunterricht in der Schule verglich.

Kapitän Andreas Weber als „Konzertmusiker“.

Mit der Elbkarawane gingen die Dresdner Sinfoniker in diesem, von der Pandemie geprägten, Jahr so intensiv wie bei wenigen Projekten zuvor auf ihr Publikum zu. Die Langsamkeit der Annäherung an den eigentlichen Konzertort ließ spontane Begegnungen und genaues musikalisches Hinhören zu. Das abschließende Konzert hingegen verband die Menschen in einem gemeinsamen musikalischen Erlebnis, das wie die Neunte in Erinnerung bleiben wird. Womit wieder eindrucksvoll gezeigt wurde, dass Schiffe viel mehr sind, als schwimmende Hotelzimmer oder Legebatterien für Touristen.

Eine Produktion der Dresdner Sinfoniker in Kooperation mit Seebühne Erleben und der Weißen Flotte Sachsen. Die Elbkarawane wurde im Programm Kultursommer 2021 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR, durch die Stadt Dresden – Amt für Kultur und Denkmalschutz und die Kulturstiftung Dresden der Commerzbank gefördert. Mit freundlicher Unterstützung von Neumann & Müller Veranstaltungstechnik, Greve Studio Berlin, Sachsen Fernsehen und der Domarin Tief-, Wasserbau und Schifffahrts GmbH.

Fotos: Sabine Grüner

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