Drahdiwaberl

Drahdiwaberl

Vor 95 Jahren hat der österreichische Maschinenbauingenieur und Erfinder Ernst Leo Schneider (1894-1957) den Voith-Schneider-Propeller erfunden.

Da soll noch jemand sagen, Techniker sind nicht verspielt. Ernst Schneider ließ sich bei seiner Erfindung wohl vom beliebten Kinderspiel „Drahdiwaberl“ inspirieren. Vielleicht hat er auch Pieter Bruegels Gemälde von den Kinderspielen genau studiert und die verschiedenen Kreisel, mit denen die Kinder da in einer Szene spielen, erforscht. Jedenfalls erfand Schneider einen Schiffsantrieb, der im Ergebnis dem Erlebnis eines Kreiselspiels sehr ähnlich ist: Es macht unglaublichen Spaß, mit einem Voith-Schneider-Propeller Schiffe zu manövrieren und zu steuern. Jammerschade, wenn künftig autonom fahrende Schiffe keinen Kapitän mehr an Bord haben, der mit diesem technischen Wunderwerk „spielen“ kann und dabei höchste Präzisionsarbeit leistet.

Im Jahr 1927 meldete Ernst Schneider gemeinsam mit der Firma Voith in Sankt Pölten ein Patent für den Voith-Schneider-Propeller an, der im Jahr zuvor nach den Plänen des Wiener Ingenieurs entstanden ist. Das Besondere: Der Schiffsantrieb, der zugleich die Steuerung übernimmt, erlaubt eine bis dahin nicht mögliche Manövrierfähigkeit von Schiffen. Durch seine Bauweise erzeugt der Voith Schneider Propeller (VSP) Schub in jede beliebige Richtung. Dank kurzer Reaktionszeiten auf Steuerbefehle, ermöglicht der VSP zudem auch unter widrigen Bedingungen schnelles, sicheres und präzises Manövrieren. Auf einer kreisförmigen Scheibe am Schiffsboden sind senkrecht bewegliche und steuerbare Flügelblätter angebracht. Rotiert die Scheibe, wird Schub erzeugt. Die Drehzahl der Scheibe bestimmt dessen Kraft, die Stellung der Flügel seine Richtung. Kein Wunder, dass sich dieses Konzept seit 95 Jahren in verschiedensten Anwendungen auf Schiffen, wo präzises Manövrieren und Positionieren erforderlich ist, bewährt hat. Die Gründe für diesen langanhaltenden Erfolg liegen aber auch in der hohen Zuverlässigkeit und dem geringen Wartungsaufwand.

Voith-Schneider-Propeller (VSP), Quelle: Voith Group

Die Erfindung des Wiener Ingenieurs Ernst Schneider wurde bei Voith über die Jahrzehnte weiterentwickelt und an die Erfordernisse der Zeit angepasst. „Mit dem elektrischen Voith Schneider Propeller steuern wir einen wichtigen Schritt zur Elektrifizierung des Antriebsstranges in Marineanwendungen und damit zu einer noch ressourcenschonenderen Schifffahrt bei“, sagt Dr. Dirk Jürgens, Vice President Research & Development bei Voith Turbo Marine.

Die Voith Group ist inzwischen ein weltweit agierender Technologiekonzern. Mit seinem breiten Portfolio aus Anlagen, Produkten, Serviceleistungen und digitalen Anwendungen setzt Voith Maßstäbe in den Märkten Energie, Papier, Rohstoffe und Transport & Automotive. Gegründet 1867 (in Österreich/St. Pölten 1903) ist Voith heute mit rund 20.000 Mitarbeitern, 4,3 Milliarden Euro Umsatz und Standorten in über 60 Ländern der Welt, eines der großen Familienunternehmen Europas. Seit 2009 zeichnet das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg innovative Unternehmen mit dem Umwelttechnikpreis aus. Innovative Umwelttechniken, ein wertvoller Beitrag zur Ressourceneffizienz und Umweltschonung sind die hohen Anforderungen für den begehrten Preis. Mit dem elektrischen Voith-Schneider-Propeller (eVSP) hat Voith SE & Co. KG 2021 den 3. Platz in der Kategorie 1/Energieeffizienz erreicht.

Quelle: Voith Group

Österreichs einziges Flusskreuzfahrtschiff, THEODOR KÖRNER, nach dem österreichischen Bundespräsident Theodor Körner getauft, ist und nun schon seit fast 60 Jahren stolzer Träger der österreichische Flagge auf der Donau und mit einem Voith Schneider Propeller ausgerüstet.

Peter Baumgartner

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