Drei Jahre „Geiselnahme“ durch die ungarische Justiz

Drei Jahre „Geiselnahme“ durch die ungarische Justiz

Am Abend des 29. Mai 2019 kollidierte das Schweizer Kabinenschiff Viking Sigyn mit dem ungarischen Stadtrundfahrtschiff Hableány in Budapest. Seither ist der ukrainische Kapitän des Kabinenschiffes in Gewahrsam der ungarischen Justiz und darf das Land nicht verlassen.

Die Tragödie wurde mehrfach vorhergesagt. Experten waren immer der Meinung, dass der Schiffsverkehr in Budapest schlecht geregelt ist und speziell in der Nacht, wenn besonders viele Schiffe „Budapest bei Nacht“ anbieten, es oft zu gefährlichen Situationen kommt. Aber niemand fand bei den Verantwortlichen Gehör. Deshalb passierte das, was Murphys Gesetz verspricht: Wenn etwas schief gehen kann, dann wird es schief gehen.

Um 21:05 sank das Ausflugschiff innerhalb weniger Sekunden. 27 Personen sind ertrunken und eine Person wird auch nach drei Jahren noch vermisst. Nur sieben Touristen überlebten die Tragödie. Das Kabinenschiff durfte nach dem Unfall sofort wieder in Fahrt gehen und das Schiffswrack wurde bald geborgen. Für die Justiz und für die Öffentlichkeit, die allein auf die ungarischen Medienberichte angewiesen ist, ist der ukrainische Kapitän auch ohne Urteil schuldig am mehrfachen Tod infolge der Kollision. Der Kapitän bekennt sich jedoch als nicht schuldig und ist nicht bereit, auf einen „Deal“ der ungarischen Staatsanwaltschaft einzugehen. Deshalb lässt man in „braten“, verzögert das Gerichtsurteil von einer Verhandlung zur nächsten.

Inzwischen wurde bekannt, dass die Hinterbliebenen der Opfer eine Klage gegen die beteiligten Reedereien eingebracht haben. Details über die Verhandlungen, die seit 2022 laufen, gibt es jedoch nicht.

In der Schweiz, wo der ukrainische Kapitän beschäftigt war, interessiert sich die Öffentlichkeit nicht für das Schicksal des Mannes, der als besonders umsichtiger und verantwortungsbewusster Schiffsführer bekannt war. Überhaupt wird der Fall in der Branche totgeschwiegen, was besonders verwundert, denn das Schicksal des betroffenen Kapitäns kann in Wirklichkeit jeden Binnenschiffer zu jeder Zeit treffen. Bedauerlicherweise wird der Fall von den internationalen Gewerkschaften auch nur schaumgebremst beobachten. Ende Mai, kurz vor dem 3. Jahrestag der ungarischen „Geiselnahme“, fand in Budapest der internationale Gewerkschaftskongress statt. 5000 Delegierter aus aller Herren Länder diskutierten wichtige Fragen der Transportarbeiter. Die ukrainische „Geisel“ war kein Thema…

Peter Baumgartner

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