Es ist schon wieder Weltwassertag – „rama dama!“

Der Weltwassertag 2022, am 22. März, thematisiert das Grundwasser und will „das Unsichtbare sichtbar machen“. Wir haben das Grundwasser zwar nicht im Blickfeld, aber wir sollten es nicht aus dem Auge verlieren.

Die Donau ist ökologisch in einem guten Zustand – aber…, die Donau weist ein natürliches Artenspektrum auf – fast… So wollen uns die politischen Würdenträgerinnen mitteilen, sie haben alles im Griff. Wir müssen uns keine Sorgen machen. Die Realität schaut bei genauerer Betrachtung freilich anders aus. Flüsse sind Schätze der Natur, aber auch die Schleimspur der Zivilisation. Sohle Erosion, gestörter Sedimenthaushalt, Müll, Chemikalien, all das stört den ökologischen Zustand der Gewässer massiv und hat Konsequenzen bis ins Grundwasser. Was wir aktuell dagegen machen, kann man unter dem Begriff Dokumentierung zusammenfassen. Es ist die Verwaltung eines Desasters, das unzählige „Projektbetreiber“ auf den Plan ruft und für dessen Existenzgrundlage sorgt.

Es wird jedoch langsam mehr als Daten sammeln und dokumentieren notwendig sein. Besser heute als morgen sollte Tun am Stundenplan stehen. Der diesjährige UN-Weltwasserbericht zeichnet ein düsteres Szenario. Die Versorgungsunsicherheit mit sauberem Trinkwasser ist bereits vielerorts real und wird durch unsere eigene Blödheit immer stärker bedroht. Die Grundwasserverschmutzung hat viele Ursachen und ist oft irreversibel. Am Anfang steht oft die Verschmutzung der Flüsse, die nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in der sogenannten zivilisierten Welt, als praktische Müllentsorgung für Industrie und Haushalte missbraucht werden. Weit verbreitet ist auch die Wasserverschmutzung durch die Landwirtschaft, die in großen Mengen Agrochemikalien aufträgt, die schließlich Grundwasservorräte unbrauchbar machen.

Freilich gibt es auch ein paar Idealisten, die mit bloßen Händen versuchen Probleme zu beseitigen, die andere industriell produzieren. Diese Idealisten haben ihren Kampf gegen Windmühlen inzwischen zu einer olympischen Disziplin hochstilisiert. Sie nennen das „Plogging“ – in Anlehnung an schwedische Begriffe für Müllsammeln und Laufen. In Bayern und in Österreich sagt man dazu „rama dama“, was so viel wie aufräumen bedeutet. Es wird geschätzt, dass täglich 2 Mio. Menschen irgendwo auf der Welt dem Müll hinterherlaufen.

Olympische Spiele brauchen natürlich auch Organisationen. Bei der „rama dama“-Disziplin ist das zum Beispiel die Ferry-Porsche-Stiftung. Sie lässt die rumänische Donau reinigen. Die Audi-Environmental Foundation sogt sich um den ungarischen Donaumüll. The Coca-Cola Company (TCCC) veranstaltet ein interkommunales Müllsammelfest mit zig-tausend Teilnehmern in den Donau-Auen und leistet großzügiges Sponsoring entlang der Donau in fast allen Ländern, um den Müll aus dem Fluss zu entfernen. Dazu kommen große Banken und noch größere Versicherungen. Und natürlich gibt es kaum eine namhafte Umweltorganisation, die sich nicht das saubere Donauwasser auf die Fahnen geschrieben hat.

Am 19. April startet der schwimmende Chemieprofessor Andreas Fath eine 2700 km lange Wasserstraßen Tour auf der Donau. Er will auch nach Schadstoffen „suchen“, von denen er bereits weiß, dass sie da sind. Mehr als 100 Substanzen, „die der Mensch so freisetzt, und die von wenigen Kläranlagen zurückgehalten werden, wie Korrosionsschutzmittel aus Spülmaschinen, Antibiotika, Hormone, Kontrastmittel, Weichmacher, sogenannte polyzyklische Aromaten und perfluorierte Tenside“, schwimmen im Gewässer. Seit Beginn der Massenproduktion von Kunststoffen ungefähr um 1950, geht auch die Vermüllung der Gewässer parallel hoch, berichtet Fath: „Seit damals wurden weltweit 8,6 Milliarden Tonnen Plastik produziert und im Jahr 2050 werden es 34 Milliarden Tonnen sei, wenn es so weitergeht“. Prof. Fath wird seine Aktion vielleicht dennoch glücklich machen, denn Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass schwimmen in einer Brühe von Antidepressiva und Opioiden glücklich macht…

So sind die Rollen jedenfalls schön sauber verteilt. Politikerinnen versuchen zu beschwichtigen und erklären was sie schon alles zur Ökologisierung beigetragen haben und – so sie wiedergewählt werden, ganz bestimmt noch zu tun beabsichtigen. Ein paar Idealisten räumen den Dreck weg, andere kaufen sich ein grünes Image, weil das braucht man heutzutage. Die Industrie produziert den Müll fröhlich weiter. Der Konsument zahlt, sitzt in der Ecke, schaut blöd zu und wartet auf den nächsten Weltwassertag.

Translate »
error: