Es wird dennoch nicht still am „Steirischen Meer“

Dietrich Mateschitz, Österreichs Ausnahmeunternehmer, ist tot. Ein Visionär ist am 22. Oktober 2022 im 78. Lebensjahr gestorben.

Gemessen an der medialen Aufmerksamkeit um den Tod von Dietrich Mateschitz, könnte man locker einen Vergleich zum erst kürzlich geschehenen Tod der englischen Königin heranziehen. Aber Mateschitz war und ist für die meisten Landsleute mehr als ein König. Schon deshalb, weil er seine Besitztümer nicht durch Kolonialismus erworben hat. Mateschitz war ein UNTERnehmer im besten Wortsinn, im krassen Gegensatz stehend zum weit verbreiteten FÖRDERnehmer.

MS TRAUN & MS RUDOLF Bild: Grundlsee Schifffahrt/Florian Loitzl

Ich habe Mateschitz als Naturmensch wahrgenommen. Als einen Mann, für den Natur kein inszeniertes Museum ist, sondern als Lebensraum, den man auf vielfältige Art nützen soll und immer wertschätzen muss. Wohl deshalb hat er stets Wert auf das Echte und das Alte gesetzt. Gleichzeitig hat er sich aber immer die Hochtechnologie zunutze gemacht. Eine erfolgreiche Symbiose, wie man stets sehen konnte, war das Ergebnis. Im Rückblick wird man vielleicht sagen, Dietrich Mateschitz war mehr der Ermöglicher, als der Macher. Insofern wird sein Wirken hoffentlich weit über den Tod hinaus nachhaltig sein.

Plättenfahrt Wasserfall Toplitzsee. Bild: Grundlsee Schifffahrt/Astrid Eder

Was von seiner Person und von seinem Imperium weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass Mateschitz auch als österreichischer Reeder mit großartigen Leistungen in die Landesgeschichte eingegangen ist. Auf dem ersten Blick mag das vielleicht ein Widerspruch zu seiner fliegerischen Leidenschaft oder zur ausgeprägten Affinität für extreme Sportarten sein. Bei genauerer Betrachtung ist es jedoch die logische Fortsetzung einer Beschreibung für einen Menschen zu sehen, der immer die für ihn größtmögliche Perfektion angestrebt hat. Die Schiffe, die Mateschitz am Grundlsee wiederbelebt hat, waren schon bei ihrem Bau durch österreichisches Handwerk perfekt gelungen. Er hat ihnen neuen Glanz gegeben, weil er wusste, dass diese schwimmende Eleganz genauso wichtig ist, wie zum Beispiel die großartigen Fluggeräten, die er für die Nachwelt bewahrte.

MS TRAUN am Grundlsee. Bild: Grundlsee Schifffahrt/Astrid Eder

Mateschitz Engagement am Grundlsee ist gerade für Österreich ziemlich außergewöhnlich, weil hierzulande zwar jedes Kellergewölbe als Kulturerbe gilt, schwimmende Raritäten aber nur selten „schützenswert“ sind. Als sich die Frage stellte, wie es mit den drei Schiffen vom Grundlsee weitergehen sollte, war es fast selbstverständlich, dass Mateschitz (schon wieder) die richtige Person für diese Herausforderung ist. Er ließ die Schiffe MS „Rudolf“ (1903), MS „Traun“ (1973) und MB „Gössl“ (1931) kurzerhand in die Schweiz transportieren, denn die Schweiz gilt generell als sicherer Hafen für historische Schiffe. Dort gibt es noch eine Handvoll Experten, die mit viel Können und Verständnis Schiffe restaurieren, für die es mehr braucht, als Künstliche Intelligenz.

MB GÖSSL am Grundlsee. Bild: Grundlsee Schifffahrt/Manuel Capellari

Als die Schiffe nach einigen Monaten wieder per Tieflader zurück an das „Steirische Meer“ gebracht wurden, war die Freude im Salzkammergut groß und Mateschitz konnte den Dank der Einheimischen und der Touristen ernten. Wieder war dem großen Sohn der Steiermark ein Projekt vollkommen und nachhaltig gelungen, das weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus, seine positive Wirkung entfaltete.

Die österreichische Binnenschifffahrt hat einen Kapitän verloren, der mit beiden Beinen bis zum Ende auf der Kommandobrücke gestanden ist. Seine Crew wusste, auf den da oben ist bei jedem Sturm Verlass.

Die Grundlsee Schifffahrt, deren Geschichte bis in das Gründungsjahr 1879 zurückreicht, wird heute neben zahlreichen weiteren Kraftplätzen von der Tauroa GmbH. (GF Michaela Lürzer), als Teil des Dietrich Mateschitz Imperiums betrieben.

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