Geht nicht, gibt´s nicht!

Geht nicht, gibt´s nicht!

Man kennt sie alle, die mehr oder weniger klugen Werbesprüche: „Geht nicht, gibt`s nicht“, oder „Wir machen Unmögliches möglich“. Höher, weiter, schneller und überhaupt, nur Wachstum zählt. Wer da nicht mitkommt, nicht genug Ausdauer hat, ist ein Verlierer und wirtschaftspolitisch wertlos. Volle Kraft voraus! Bisher war das die Maxime, auf der unser Wirtschaftsleben aufgebaut war. Undenkbar, dass sich jemals etwas an dieser sinnbefreiten Vorwärtsstrategie hätte ändern können.

Nichts auf der Welt, nicht mal Greta, konnte daran etwas ändern. Doch dann kam so ein winzig kleines Viruslein daher und plötzlich – Stillstand. Nicht nur das Unmögliche, sondern das sonst auch leicht Machbare, geht plötzlich nicht mehr. Halt. Um es schiffmännisch zu sagen, die Maschine läuft zwar noch, aber der Propeller steht still.

Was tun? Soll man jetzt in Panik ausbrechen und Hals über Kopf flüchten? „Halt“ am Maschinentelegraphen des Schiffes heißt nicht aus und vorbei. Die Maschine läuft noch und wartet auf den Befehl, in welche Richtung sie den Propeller drehen soll. „Volle Kraft zurück“ ist keine andere Bezeichnung für Verlierer, sondern oft die einzige Maßnahme um die Richtung zu ändern und wieder vorwärts zu kommen.

Der Maschinentelegraph lässt dem Kapitän die Wahl. Egal ob er sich für voraus oder zurück entscheidet, er kann es ganz langsam, langsam, mit halber Kraft oder mit voller Kraft angehen. Die Erfahrung und die Situation sagen dem Kapitän was zu tun ist. Nur ein Dummkopf würde immer „Volle Kraft voraus“ geben und „Volle Kraft zurück“ ist auch nicht immer notwendig. Aber vielleicht ist jetzt der Moment gekommen, wo „Volle Kraft zurück“ die richtige Entscheidung ist.

Ihr Peter Baumgartner

Quelle: Binnenschiff Journal 5/2020

Peter Baumgartner

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