Immer die gleiche Leier

Rohstoffverladung im Hafen Wien   Quelle: IBBS

Die ständige Wiederholung von der „besten logistischen Entscheidung“, die angeblich nur für die Bahn spricht, ist so alt und eintönig, dass sie nur noch nervt. Aktuell passt der Schauplatz der „Verkehrsexperten“ mit der langweiligen Tonfolge der Leier wenigstens zusammen: Loja.

Beim niederösterreichischen Hartsteinwerk im Lojagraben steht die logistische Entscheidung an, wie man künftig den begehrten Rohstoff zum Kunden bringen soll. Der Steinbruch besteht zwar schon seit dem 17. Jhdt., aber wie man die Transportlogistik zeitgemäß löst, diese Frage stellt sich erst seit ein paar Jahren. Gut, erdgeschichtlich ist noch nicht viel Zeit verplempert. Drängender wurde die Lösung des Problems ja auch erst, als man 1994, vor bald 30 Jahren, bemerkt hat, dass der Betrieb gar keine mengenmäßigen Abbaubeschränkungen hat, sich nicht an Betriebszeiten hält und der LKW-Verkehr auf der schönen Wachaustraße ständig zunimmt. Da war es für die Anrainer aber schon zu spät. „Genaue Zahlen liegen leider nicht vor“, erklärte lapidar der damalige ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Schüssel im Parlament. Außerdem, ist eh alles rechtskräftig genehmigt (Hände falten – Klappe halten!). Plötzlich wirkt die „Bestechung“ mit dem Schotterschilling auch nicht mehr und die von Niederösterreich geplanten „Verkehrsspargemeinden“ gibt es auch noch nicht. Diese unzufriedenen Bürger wollen heutzutage ja auch wirklich alles. Geld, Rohstoffe, eine gesunde Luft und zwei PKW in der Garage. Wo kommen wir da hin?

Rohstoffverladung in Devin an der Donau Quelle: IBBS

Im Jahre 2000 ortete NÖ-Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka den größten Handlungsbedarf hinsichtlich Nachhaltigkeit beim Straßenverkehr. Verbessert hat er nichts und böse Zungen behaupten, dass er gerade deshalb Parlamentspräsident wurde. Der Spagat ist ja auch wirklich nicht leicht zu schaffen. Wie soll man die Rohstoffe im Land verteilen, wenn man keinen Verkehr, aber Autobahnen haben will? Zum Bau von einem einzigen Meter Bahnstrecke werden 26 Tonnen Rohstoffe benötigt. Für einen Meter Autobahn braucht man gar 33 Tonnen. Das geht nicht ohne Verkehr und obwohl Österreich mit Steinbrüchen eh schon übersäht ist, kommt man ohne Ortsdurchfahrungen nicht aus. Es muss also nach Meinung der „Expertinnen“ eine Lösung her, die nur ein fauler Kompromiss sein kann – alles auf die Bahn! Doch siehe da, im Fall des Loja-Steinbruchs ist das auch nicht erwünscht. Die längst vernichtete Donauuferbahn müsste neu gebaut werden und würde dann wieder mitten durch die beschaulichen Donaugemeinden rattern. Da kommt die glorreiche Idee von einem schwebenden Förderband über die Donau zur Westbahn gerade gelegen. Doch halt – die Donau ist nicht breit genug. Schon jetzt ist die Lärmbelastung der Westbahn für die Marbacher „unzumutbar“. Und wer soll das bezahlen? Die Besitzer des Steinbruchs, der Rohstoffbaron Bernegger und das Habsburg Lothringen’sche Gut Persenbeug/Weinsberg betonen zwar, dass sie nicht nur nachhaltig reden, sondern auch nachhaltig handeln, aber sichtbar wird das bei der Transportlogistik freilich nicht. Einfach und kostengünstig ist halt der LKW-Transport und die Straßenerhaltung zahlen eh die Steuerzahlerinnen.

Rohstoffverladung im Hafen Albern       Quelle: IBBS

Erstaunlich ist nur, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, die vor der Haustür liegende Wasserstraße zu nützen. Zwar wurden Pflastersteine aus Loja bereits 1830 mit dem Schiff nach Wien transportiert und der Straßensplit für die Landeshauptstadt sogar bis in die 90iger Jahre. Noch vor 10 Jahren hat der Branchenverband die „verkehrsgünstige“ Lage des Steinbruchs gelobt, weil er direkt an der Wasserstraße Donau liegt. Aber schon 1994 hat sich die Gemeinde Persenbeug-Gottsdorf gegen eine Schiffsverladeanlage gestemmt, weil ein (1) Anrainer auch das nicht wollte. Dass inzwischen auch die Verladetechnik für Schiffe fortgeschritten ist, scheint niemand zu interessieren. „In der Wasserstraße Donau steckt enormes Potenzial zur Bewältigung zukünftiger Transportströme“, verkündete die Gottsdorfer Verkehrsstaatssekretärin Christa Kranzl im Jahre 2007 (!) und bekräftigte ein „klares Bekenntnis zur Binnenschifffahrt als umweltfreundlicher Verkehrsträger der Zukunft.“ Dazu bekennt sie sich zwar heute noch immer, aber die Anrainer… Und die anderen politischen Gruppierungen mit ihren Experten? Was soll man da sagen? Immer die gleiche Leier: Wasserstraße ist wunderbar und so umweltfreundlich, aber… Die Wasserstraßenphobie ist epidemisch verbreitet und es gibt noch keinen Impfstoff dagegen.

Die Wasserstraßenphobie ist weit verbreitet. Quelle: Christina Baumgartner

Die Problemstellung ist grundsätzlich erkannt und wird von allen Beteiligten auch als dringende Lösungsaufgabe wahrgenommen. Selbst Verkehrsverursache, wie der Kärntner Steinbrecher Gerold Neuper sagen, nicht der Abbau, sondern der Verkehr ist das größte Problem. Der jährliche Rohstoffabbau in Österreich entspricht einer LKW-Kette von 100.000 Kilometern. Allein die Rohstoffreserven im Lojagraben am linken Donauufer, reichen noch für 100 Jahre. Das Problem wird also auch nicht morgen von alleine enden. Selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass wir beginnen weniger Rohstoffe zu verplempern, bleibt noch genug für kluge Transportlösungen übrig. Vielleicht lernt man ja in der Zwischenzeit die Steine durch Teleportation von A nach B zu beamen. Alternativ könnte man langsam damit beginnen, endlich die Möglichkeiten der vorhandenen Wasserstraße zu nutzen. Erfinden muss man da nichts und „Studien“ muss man auch nicht extra in Auftrag geben. Aber vielleicht liegt das Problem gerade darin.

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