Krieg und Klimawandel, wir sind in der K. u. K. – Zeit angelangt.

Krieg und Klimawandel, wir sind in der K. u. K. – Zeit angelangt.

So hat Nikolai Dmitrijewitsch Dmitrijew-Orenburgski 1877 die russische Eroberung der Donaumündung gesehen. Gemeinfrei

Höhere Gewalt lag bisher nach dem allgemeinen Verständnis dann vor, wenn unabwendbare Naturereignisse eintrafen. Spätestens seitdem wir die Auswirkungen des von Menschen verursachten Klimawandels kennen wissen wir, Überschwemmungen, Pandemien, Unwetter usw., sind wie Kriege erwartbare und vorhersehbare Ereignisse.

Krieg galt noch nie als Höhere Gewalt. Fast könnte man meinen, Krieg ist von Gott gewollt und gehört zu den Menschen wie Wasser und Brot. Ohne Krieg können die Menschen nicht leben. Der Donauraum und seine Menschen sind jedoch ein besonders guter Nährboden für andauernde Konflikte jedweder Art. Kaum hat sich irgendwo ein Gemüt beruhigt, schon brennt an einer anderen Ecke eine neue Lunte. Das Ende des letzten Konfliktes, des am 28. Februar 1991 begonnenen Krieges in Jugoslawien, haben wir noch gar nicht erreicht, weil die Streitereien immer wieder aufflammen. Dennoch erleben wir schon wieder einen neuen blutigen Krieg und auch dessen Ausbruch war lange Zeit vorhersehbar. Wir machen also, was wir immer gemacht haben und schon gewohnt sind – beschuldigen den jeweils anderen, sich selber als unschuldig erklären, Opfer beklagen – und weiter machen wie bisher.

Angeblich besteht der wesentliche Unterschied zwischen Menschen und Tieren darin, dass Menschen durch ihren Geist kausale Zusammenhänge erkennen und nach ethisch-moralischen Prinzipien handeln können. Das scheint eine wissenschaftliche Theorie zu sein, deren Beweis noch nicht erbracht wurde. Jedenfalls haben wir 25-Jahre Kriegsfreiheit an der Donau, ein kleiner Zeitraum, den sonst jeder x-beliebige Kegelverein überlebt, nicht geschafft.

Am 24. Februar 2002 sind die jahrelangen Differenzen zwischen der Ukraine und der Russischen Föderation eskaliert. Die freie und ungehinderte Donauschifffahrt endet diesmal bereits im Donaudelta, wo die Ukraine ihren Hafen Ismail im Kilia-Arm gesperrt hat. 1999 lag das Epizentrum der kollektiven Dummheit in Novi Sad. Damals wie heute, immer das gleiche Muster. Willst Du nicht mein Bruder sein, schlag ich Dir den Schädel ein (Bernhard v. Bülow).

Nun heißt es abzuwarten, wann und wie sich die Querköpfe wieder beruhigen. Vielleicht bleibt die Donauschifffahrt über den rumänischen Teil der Mündung und über Konstanza aufrecht. Dann könnte sich Rumänen über wachsende Umschlagzahlen freuen und alles wäre (fast)wieder normal. Die für Westeuropa ohnehin vernachlässigbare Donau könnte wieder auf der Folkloreebene fließen und der für die Transportwirtschaft „unverlässliche“ Wassertransport hat sein Stigma bestätigt.

Peter Baumgartner

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