Nie wieder Krieg!

Donauschiffer schützen sich 1991 mit untauglichen Mitteln im Jugoslawien-Krieg gegen den Beschuss von Land. (Quelle: IBBS)

Zehn Jahre nach den schmerzhaften Erfahrungen des Ersten Weltkrieges und angesichts der damals aktuellen Lage, hat die deutsche Künstlerin Käthe Kollwitz mit ihrem Protestplakat, nachdrücklich „Nie wieder Krieg!“ gefordert.

Geholfen hat es nicht. Im Gegenteil. Es ging munter weiter. Und weltgeschichtlich gesehen sogar jeden Tag. Warum das so ist, hat der serbische Schriftsteller Aleksandar Tisma ganz einfach erklärt: „Wir sind böse geboren. Der Mensch ist von Natur aus schlecht und seine unglaubliche Dummheit verführt ihn dazu, das Leben so traurig zu gestalten und andere immer wieder zu unterjochen und zu töten.“ Tisma hat das vor dem Hintergrund seiner persönlichen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und nach dem amerikanischen Bombenregen in Novi Sad gesagt, wo er das Ende des Jugoslawienkrieges abgewartet hat.

Das war 1999. Am 1. April und in den Tagen danach, versenkten US-Bomber alle Donau-Brücken in Novi Sad. Die Konsequenz war neben dem menschlichen Leid, dass vor allem die Zivilbevölkerung zu tragen hatte, die völlige Unterbrechung der Donauschifffahrt. Der „europäische Fluss“ endete für Ost- und Westschiffe gleichermaßen in Novi Sad.

Auch das kleine Land Österreich bekam die Folgen des Krieges schmerzlich zu spüren. Weil, Immanuel Kant hat es in seiner philosophischen Schrift „Zum ewigen Frieden“ erklärt, Rechtsverletzungen an einem Platz der Erde, an allen anderen auch gespürt wird. Wir sind eben eine (dumme) Schicksalsgemeinschaft. Das war anno 1795. Böse Zungen behaupten ja, US-Präsident Bill Clinton hätte der Bombardierung in Jugoslawien in Wahrheit nur zugestimmt, um von seiner Lewinsky-Affäre abzulenken, die ihm fast das Amt gekostet hat.

Kriegsstatistik

In den österreichischen Häfen ging jedenfalls rund ein Drittel des Umschlagvolumens durch den Krieg verloren. Die Voest, die ihre Rohstoffversorgung mit Kohle und Erz damals hauptsächlich über die Wasserstraße aus der Ukraine importierte, musste auf die Bahn umstellen und das erforderte 10 Mio. Schilling Mehrkosten pro Quartal. Die fossilen Rohstoffe, die für die Stahlerzeugung (noch) notwendig sind, sind gleichzeitig auch Energieträger für den eigenen Strombedarf im Stahlwerk. Wenn das Stahlwerk weiterhin unabhängig vom externen Stromnetz bleiben soll – und das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass in Österreich überhaupt Stahl produziert wird, dann muss der Rohstoff Zufluss laufen. Sonst geht sprichwörtlich das Licht aus. Die Reedereien verloren ebenfalls täglich Mio. Schilling. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Donauschifffahrt bereits seit Ausbruch des Jugoslawienkrieges in großen Schwierigkeiten war. Anfang 1992 verhinderte das Wirtschaftsembargo der Vereinten Nationen gegen Jugoslawien den freien Warenverkehr. Es dauerte vier Jahre, bis endlich wieder ein deutsches Schiff Belgrad erreichte. Aber die allgemeine Krisenlage blieb dramatisch und gipfelte 1999 in der Aktion „Allied Forces“, von der heute noch behauptet wird, sie war völkerrechtlich nicht legitimiert und eine absolute Dummheit.

Die Donaukommission tat was sie tun musste und was sie tun könnte. Es blieb ihr im politischen Chaos auch nichts anderes übrig, als mit viel diplomatischem Geschick dafür zu sorgen, dass die durchgehende Schifffahrt auf der Donau wieder möglich wurde. Erst 2002 konnte die Donaukommission freudig berichten, dass die Donauschifffahrt wieder (fast) ungehindert läuft. Am 15. Mai 2002 passierte erstmals wieder ein Fahrgastschiff frei und ohne „Gebühr“ zahlen zu müssen, Novi Sad.

Quelle: IBBS

Ob wir im Mai des Jahres 2022, den 20. Jahrestag des freudigen Ereignisses feiern werden können, steht in den Sternen. Denn nur einen Wimpernschlag nach dem letzten Desaster, stehen wir wieder vor einer medial eingeforderten Situation, deren Ausgang vom Grad der politischen Dummheit abhängig ist. Die Chance, dass die durchgängige Donauschifffahrt wieder für unbestimmte Zeit zu Ende geht, ist sehr groß. Sicher ist, wie immer die Geschichte ausgehen mag, danach werden wieder alle rufen „Nie wieder Krieg!“ – und es wird doch nur ein Waffenstillstand werden.

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