Wissenschaft im Fluss

Wissenschaft im Fluss

„Wissenschaft ist kein abgeschlossenes System, sondern lebt vom Austausch und der Kommunikation mit der Gesellschaft“, schreibt die neue deutsche Koalition in ihrem Grundsatzpapier und verspricht, dies u.a. auch so in den Förderrichtlinien zu verankern.

Wissenschaftskommunikation ist eine wichtige Aufgabe im Wissenschaftssystem, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Nicht nur für Einzelpersonen, sondern für alle. Das schafft Schwarmintelligenz und das ist bekanntlich die beste Medizin gegen Schwarmdummheit. Die deutsche Bundesanstalt für Wasserbau geht mit gutem Beispiel voran und hat mit dem „BAWProjektreport“ gerade ein neues Format für die Wissenschaftskommunikation geschaffen.

„Mit dem BAWProjektreport ergänzen wir die bestehenden Formate für unsere Wissenschaftskommunikation um ein neues Format“. Dies sagte der Leiter der Bundesanstalt für Wasserbau, Prof. Dr.-Ing. Christoph Heinzelmann, anlässlich der Veröffentlichung des ersten Reports im Rahmen der neu geschaffenen Publikationsreihe. „Ziel dieses Formats ist es, die interessierte und allgemeine Öffentlichkeit über unsere Arbeit zu informieren. Unsere technisch-wissenschaftlichen Untersuchungen für verkehrswasserbauliche Großprojekte finden nicht im Elfenbeinturm statt, sondern werden offen und transparent kommuniziert. Dafür haben wir jetzt den BAWProjektreport entwickelt, der sich in jeder Ausgabe einem anderen Großprojekt widmen wird.“

Der BAWProjektreport zur wissenschaftlichen Begleitung des Projekts Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein. Quelle: BAW

Thema des ersten BAWProjektreports ist die Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein. Dieses Projekt zählt derzeit zu den Bundeswasserstraßenprojekten mit der höchsten Priorität. Ziel ist es, die Schifffahrtsverhältnisse im Abschnitt zwischen Mainz und St. Goar bei Abflüssen zwischen Niedrigwasser und Mittelwasser an die oberhalb und unterhalb liegenden Streckenabschnitte anzupassen. Als wissenschaftliche Beraterin unterstützt die BAW das planende Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein mit flussbaulicher, nautischer und geotechnischer Expertise. „Der BAWProjektreport beschreibt unsere fachlichen Aufgaben und stellt die angewandten Methoden und Verfahren in allgemein verständlicher Form dar“, erläutert Dr.-Ing. Sven Wurms, Wissenschaftler an der BAW. „Deutlich werden die Interdisziplinarität und Komplexität unserer Untersuchungen sowie der hohe Untersuchungsaufwand, der erforderlich ist, um die geforderte Genauigkeit und Belastbarkeit unserer Ergebnisse sicherzustellen.“  Auch das ein ganz wesentlicher Teil der Wissenschaftskommunikation, weil Veröffentlichungen nicht nur von Experten, sondern auch von „normalen“ Menschen verstanden werden sollen.

Im Dezember 2021 hat das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Bau eines Forschungsschiffes für die nationale und internationale Meeresforschung in Auftrag gegeben. Insbesondere auf den Gebieten der Klima- und Umweltforschung wird das neue Schiff wichtige Ergebnisse liefern. Die maritime Forschung leistet einen hohen Beitrag für die Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft. Das 125 Meter lange Spezialschiff wird von den beiden Werften MEYER und FASSMER in Deutschland gebaut und 2026 in Dienst gestellt, Auch daran ist die Bundesanstalt für Wasserbau mit seiner Expertise beteiligt. METEOR IV, so der Name des Forschungsschiffes, wird 35 Wissenschaftlern Platz bieten und schwerpunktmäßig im Atlantik zum Einsatz kommen.

Animation des Forschungsschiffes METEOR IV    Quelle: FASSMER

Anfang November 2021 fand im deutsch-niederländischen Grenzabschnitt des Rheins eine länderübergreifende Kampagne zum Vergleich von Sedimentmessmethoden statt. Die Kampagne ist Teil des über die Euregio-Rhein-Waal mit INTERREG-Mitteln geförderten Projektes Living-Lab Rhine (LILAR). Dieses ist zugleich Pilotprojekt der deutschen und niederländischen Partner der im Aufbau befindlichen europäischen Forschungsinfrastruktur DANUBIUS-RI. DANUBIUS-RI ist eine pan-europäisch verteilte Forschungsinfrastruktur (RI = Research Infrastructure), die integrierte Untersuchungen von Flüssen und ihren Einzugsgebieten ermöglicht. Das LILAR-Projekt strebt an, das gemeinsame Verständnis des Sedimentregimes im Rhein zu verbessern und somit ein nachhaltiges Sediment- und Flussmanagement zwischen Deutschland und den Niederlanden zu unterstützen. U.a. ist auch hierbei die Bundesanstalt für Wasserbau Projektpartner. Der internationale Zugang zur Sedimentforschung kann als beispielgebend gelten, weil die drohenden Herausforderungen im Sedimentmanagement, wie zum Beispiel an der Donau, nur länderübergreifend gelöst werden können.

Die Messschiffe „Rheinland“, „Conrad“, „Mercator“ und „Flevomeer“ (von links) während der Messkampagne am Niederrhein.   Bild: BAW

Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung veranstaltet bereits seit 2000 das „Bildungsjahr“ mit jährlich neuen Wissenschaftsthemen. Mit dabei ist MS „WISSENSCHAFT“ – das schwimmende Science Center (https://www.wissenschaft-im-dialog.de/projekte/ms-wissenschaft/). Die Tour 2022 soll im Mai starten und auch in Österreich Station machen. Bürgerdialoge und Bürgerwissenschaft gewinnen an Aufmerksamkeit. Daher steht das Wissenschaftsjahr 2022 in Deutschland unter dem Motto „Nachgefragt!“ und will diese Entwicklungen aufgreifen und unterstützen. Partizipation und Interaktion sind die Säulen bei der kommunikativen Ausrichtung der Dachkampagne des Wissenschaftsjahres 2022. Ausgangs- und Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres 2022 sind die Bürgerinnen und Bürger mit ihren konkreten Fragen an Wissenschaft und Forschung. Das Wissenschaftsjahr 2022 stellt also die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger voran und zugleich ins Zentrum.

Der BAWProjektreport zur wissenschaftlichen Begleitung des Projekts „Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein“ steht zum Download bereit unter: https://www.baw.de/content/publikationen/www-dokumente-oeffentlich/0/BAWProjektreport_2022_01.pd

Peter Baumgartner

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