Yabba Dabba Doo! Wir bei den Flintstones

Yabba Dabba Doo! Wir bei den Flintstones

Bei der Familie Feuerstein in Steintal wurden Tiere meist als Geräte benutzt. Besonders hart getroffen hatte es den Specht, der als Plattenspieler herhalten musste. Dabei hatten es die Tiere im Steintal noch wesentlich besser, als ihre Artgenossen bei den heutigen „Geröllheimers“. Heute werden sie durch dauernde Rodung und Sprengungen der „Bamm-Bamm`s“ vertrieben, oder gleich abgemurkst.

Was den Rohstoffabbau und die damit zwangsläufig verbundene Rodung völlig gesunder Wälder betrifft, machten sich bisher in Österreich nur wenig direkt Betroffene ernsthafte Sorgen. Und dann auch nur, wenn sich der Berg buchstäblich „auflöste“, die Häuser evakuiert und Straßen monatelang gesperrt werden mussten. Es war viel „praktischer“ grüne Gesinnung zu demonstrieren, indem man Umweltsünden in fernen Ländern anprangerte. Quasi als Stellvertreterumweltschützer. Neuerdings wird die Rohstoffversorgung allerdings im Blickwinkel der Unabhängigkeit argumentiert und damit wieder „verörtlicht“. Jetzt wird es schwieriger „unschuldig“ zu sein. Unabhängig von Putin, unabhängig von China usw., lautet die aktuelle Formel zur wirtschaftlichen Stabilität im eigenen Land. Mit der durchaus sinnvollen Nutzung eigener Ressourcen, steht allerdings wie bisher die Bodenversiegelung, der Straßenbau, viele andere „Begleiterscheinungen“ und letztlich auch der Klimanotstand im Zusammenhang – nur noch viel sichtbarer. Intelligenter Rohstoffabbau würde bedeuten, weniger Probleme. Sowenig wie möglich und nur so viel wie notwendig, das wäre eine überlegenswerte Devise. Das Gegenteil davon findet statt – auch von den Grünen unterstützt. Der Zugang zur „sicheren Versorgung“ mit Rohstoffen fußt auf der Formel, wir nehmen, was wir brauchen – egal woher. Nicht wir nehmen nur dass, was wir der künftigen Generation zumuten können. Deshalb haben wir aktuell bereits im April die uns jährliche zustehenden Ressourcen verbraucht. Dabei streben wir ja nur eine „ausreichende“ Rohstoffversorgung an. Aber wer definiert, was ausreichend ist? Natürlich die Wirtschaft. Die ex-Ministerin Elisabeth Köstinger sagte, Rohstoffe sind das Lebenselixier der Wirtschaft. Die Wirtschaft bestimmt darüber hinaus auch, was „bedarfsgerecht“ ist. Nicht die Politik und schon gar nicht irgendwelche Gretaisten entscheiden, was, wann, wie, wo und in welcher Menge verbraucht wird. Sportlich argumentiert könnte man sagen: weiter, höher, schneller. Wer möglichst viel, in kurzer Zeit verbraucht, bekommt einen Stockerlplatz – sprich, der steigert den Wohlstand und die Lebensqualität (von Investoren). Politikerinnen und Journalistinnen spielen dabei die Rolle der Groupies oder dienen als Boxenluder. Wie im Spitzensport, jedes Land hat seine lokalen Favoriten und Anwärter auf die Krone. In Österreich ist die Rohstoffindustrie mit der Zement- und Schotterindustrie so ein nationaler Player mit dem Anspruch auf einen Stockerlplatz. In Erinnerung ist den Österreicherinnen noch die „Schottermitzi“. Sie hat es sogar bis in höchste Regierungsämter geschafft.

Mittlerweile hat schon fast jedes Dorfwirtshaus geschlossen – aber Schottergruben wachsen wie Pilze aus dem Boden. Bild: IBBS

Insgesamt beträgt der Ressourceneinsatz für unseren „Wohlstand“ in Österreich laut Rohstoff Masterplan-2030 167 Mio. Tonnen – allein aus heimischer Produktion. Mit einer jährlichen Gesamtproduktion von etwa 100 Millionen Tonnen sind Baurohstoffe wie Sand, Kies, Mergel und Naturstein, mengenmäßig bei weitem die bedeutendste Gruppe der festen mineralischen Rohstoffe in Österreich. Hierbei spielen der Straßenbau und die Zementindustrie eine wesentliche Rolle beim Verbrauch. Für einen Kilometer Autobahn benötigt man allein 30.000 Tonnen Sand. In Österreich gibt es derzeit rund 350 aktive Steinbrüche. Dazu kommen noch etwa 950 Sand- und Kiesgruben. Die Nationalhymne könnte also durchaus lauten: „Land der Berge und Land der Kiesgruben…“. Früher galt, jedes Dorf braucht ein Wirtshaus. Heute ist es die Kiesgrube. Die mineralischen Rohstoffe werden nach der Gewinnung entweder per Bahn oder LKW an ihren Einsatzort transportiert (Forum Rohstoffe). Viel wird im Zusammenhang mit diesen großen Transportmengen und deren Bedeutung von Innovation und Nachhaltigkeit gesprochen. Was den Transport anbelangt, wird das Binnenschiff als Verkehrsmittel jedoch bei der Rohstoffverteilung mit keinem Wort erwähnt – obwohl maßgebliche Abbaugebiete im Einzugsgebiet der Wasserstraße Donau liegen. Stattdessen wird quasi empfohlen, das Gewichtslimit beim LKW-Transport zu erhöhen, weil dies angeblich zu weniger Verkehr führen würde. In Wien – an der Wasserstraße Donau und Donaukanal, wird zum Beispiel trotz reger Bautätigkeit kein einziges Schiff für Rohstofftransporte genützt. Das Thema hängt eng mit den Begriffen „City-Logistik“ und „Urban Mining“ zusammen. Diese existieren aber im Vokabular der Rohstoffindustrie überhaupt nicht. Trimodale Umschlagslösungen dienen höchstens als Feigenblatt, um üppige EU-Förderungen lukrieren zu können. Für die Rohstoffumschlagslösung Hafen/Binnenschiff, bleiben meist nur ein paar Krümel übrig.

Dabei gibt es durchaus große Vorbilder. In Berlin sagt man, dass die Stadt „aus dem Kahn“ (Binnenschiff) erbaut wurde (und noch immer wird). Auch in vielen anderen Städten spielt das Binnenschiff bei der Rohstoffversorgung eine zentrale Rolle. Weniger nachahmenswert sind die Beispiele aus Indien, wo der Bau Sand von „Sand Miners“ – oft auch Kinder – aus den Flüssen geschöpft und auf Boote verladen wird. Dabei müssen diese ausgebeuteten Geschöpfe 200-300 Mal pro Tag metertief mit einem Kübel abtauchen. Eine ähnliche brutale Abbaumethode praktizierten die „Sandmänner“ vom Main – allerdings ohne Tauchgänge, als sie feststellen mussten, dass man mit Sand mehr Geld verdienen kann, als mit dem Fischfang. Heute spielt bei der Rohstoffgewinnung, dort wo die Schifffahrt gebraucht wird, nur noch High Tech eine Rolle. Selbst die vielerorts tätige Sandmafia ist schon gut ausgerüstet. Anders ist es beim Transport der Rohstoffe. Da ist „Steintal“ noch lebendig. Aktuelles Beispiel: Die Grünen finden, dass mit einem „Schotterband“ im schönen Nibelungengau über die Donau gespannt, hunderte LKW-Fahrten eingespart werden könnten. Damit sind die Grünen zwar auf Linie des dort tätigen „Geröllheimers“, aber zu Ende gedacht ist die Lösung nicht. Wenn es um Schnelligkeit geht, die ist sicher geboten, dann ist das Binnenschiff die erste Wahl. Die Logistikabteilung müsste nämlich den Schiffstransport nur bestellen, weil selbst eine provisorische Verladeeinrichtung innerhalb von Stunden zu bewerkstelligen ist. Wenn es um die Zahl der einzusparenden LKW-Fahrten geht, dann ist auch das Binnenschiff die erste Wahl, denn ein (1) Binnenschiff könnte selbst bei Niederwasser noch immer etwa 400 Tonnen laden. Man geht in der Praxis allerdings davon aus, dass ein Schiffsverband immer zumindest aus zwei oder sogar vier Einheiten (Schubleichter) besteht. Im Extremfall also mindestens 800-1600 Tonnen transportiert. In Österreich kann man davon ausgehen, dass die Donauschifffahrt auch künftig gute Wasserstandverhältnisse haben wird (staugeregelt, reguliert). Daher kann ein Schiffsverband, aus bis zu vier Einheiten bestehend und bei halbwegs normalen Pegelständen, zumindest 4000 Tonnen dauerhaft transportieren. Die Frage ist also, warum macht man das nicht schon längst, wenn nachhaltig transportieren das Gebot der Stunde ist? Warum fordern die Grünen keine nachhaltige Lösung? Die Antwort ist simpel. Man macht es nicht, weil der Straßentransport billiger und einfacher ist. Die Straße ist immer die erste Wahl für einfach tickende Logistiker. Das Intelligenteste im LKW-Verkehr ist nämlich das Navi. Und vermutlich hat es bei den meisten Rohstoffschürfern noch nie eine UVP mit einem Verkehrskonzept gegeben. Die Bahn, wenn sie denn mittels „Förderband-Brücke“ erreicht wird, hat bereits jetzt genug Probleme mit Lärmbelästigung und Kapazitätsgrenzen. Außerdem, die Bahn ist auf gewissen Strecken sozusagen der Mercedes unter den Transportmitteln und mit einem Mercedes-PKW würde auch niemand auf die Idee kommen, Zementsäcke zu transportieren. Das wichtigste Argument pro Binnenschiff liegt also in der Zukunftsplanung begründet. Auch wenn sich anscheinend noch niemand Gedanken darüber gemacht hat, wie „unser schönes Land“ ausschauen wird, wenn man mit Rodung und Abbau fertig ist – es wird jedenfalls noch ein paar Jahrzehnte erheblichen Transportbedarf geben.

Rohstofftransporte mit dem Binnenschiff sind geradezu typisch. Es erfordert jedoch ein, nicht allzu sehr verbreitetes, logistische Denken. Bild: IBBS

Ein anderes Beispiel – ein Kärntner Zementwerk – zeigt, dass dort wo keine Wasserstraße, aber eine belastbare Bahn zur Verfügung steht, dennoch ausschließlich der LKW die erste Wahl im Rohstofftransport ist. Da stört es die Grünen auch nicht, dass unzählige LKW sogar durch enge Dorfstraßen fahren und nicht nur Anrainer schwer belasten, sondern auch hohe Infrastrukturkosten verursachen.

Geht es um nachhaltige Transportlösungen, läuft die Sanduhr langsam ab. Bild: IBBS

Der WWF hat 2018 in einer umfassenden Studie auf die schwerwiegenden Auswirkungen der unkontrollierten Rohstoffausbeutung hingewiesen – allerdings ohne die Transportfrage zu berücksichtigen. Inzwischen ist der Rohstoffverbrauch weiter exorbitant gestiegen und um die weltweite Gier befriedigen zu können, hat längst der Run auf die Schätze der Tiefsee begonnen. Ohne ausreichender Forschungsergebnisse über die Folgen der Ausbeutung, sagen die NGOs. Verfügbare Daten stammen von jenen Forschungen, die von den Ausbeutungs-Unternehmen finanziert werden. Zumindest wird man bei der Ausbeutung der Tiefseerohstoffe um den Schiffstransport nicht herumkommen. Die Sanduhr läuft ab.

Peter Baumgartner

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